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Freiheit durch Zäune im Demenzdorf in Dänemark

 

Herr Hansen ist der Hühner-Flüsterer. Jeden Nachmittag kommen die Hühner in sein Wohnzimmer und sitzen auf seinem Schoß. "Sie schauen sehr gerne fern", sagt der 58-Jährige. Sieben Eier habe er morgens gesammelt. "Ein guter Tag." Ein guter Tag auch, weil sich Ove H. am Nachmittag noch an die Eier vom erinnert. Das ist nicht selbstverständlich für die Krankheit.
Zu Beginn der Krankheit bekommen viele Betroffene noch mit, dass etwas mit Ihnen nicht stimmt. Später leben sie in einer Alternativwelt. In den Supermarkt, zum Frisör - was einmal selbstverständlich war, funktioniert plötzlich nicht mehr einwandfrei. Körperlich sind viele aber so fit, dass normale Pflegeheime ihnen nicht gerecht werden.

Die Kommune Svendborg auf der dänischen Insel Fünen hat deshalb ein eigenes Dorf für Demenzkranke Menschen eingerichtet - es gibt Plätze für 125 Bewohner. Es ist eine Stadt in der Stadt, mit Laden, Friseur, Fitnessstudio, Café und Teich. Hier sollen die Betroffenen leben wie früher, in der eigenen Wohnung oder Wohngemeinschaft - und doch geschützt. Nach einem Spaziergang im Ort würden viele wohl nicht zurückfinden. Im Demenzdorf kann aber niemand nicht verloren gehen. Es ist paradox: Der Zaun am Ende von Straße und Park gibt den Bewohnern Freiheit. Die meisten nehmen ihn gar nicht wahr.

Sie können spazieren gehen, sich zum Kaffee verabreden und einkaufen sagt der Bürgermeister der Stadt. Schokolade ist der Bestseller im Laden. Kommen Angehörige zu Besuch, haben die Bewohner viel mehr zu erzählen als in einem Altenheim. In Svendborg soll auch ein Kinderspielplatz gebaut werden, für die Enkel der Bewohner und für die Nachbarkinder. Jeder könne hier spazieren gehen oder seinen Hund ausführen.

"Es ist eben kein richtiges Dorf". Im holländischen De Hogeweyk gibt es sogar eine Bushaltestelle, an der niemals ein Bus hält. Trotzdem sitzen die Alten hier und warten. "Wir wollen keine Kulisse sein, kein Theater. Es geht doch um echte Menschen, sagt der Projektleiter." Dann lieber Kaninchen, Erdbeerfelder und Karottenbeete. Oder eben Hühner, die echte Eier für echten Kuchen legen. "Hühner hatte ich schon immer", sagt Ove. Daran kann er sich erinnern.

Quelle: http://www.focus.de/gesundheit/umstrittenes-projekt-wenn-zaeune-freiheit-geben-in-daenemark-leben-demenz-kranke-in-einem-eigenen-dorf_id_7602810.html