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Mehr Zeit - Gesetz fordert Mindestzahl von Personal!

Gesundheits- und Krankenpfleger/in ist ein wunderschöner Beruf: Man arbeitet mit und vor allem für Menschen - wenn man die nötige Zeit dafür hat und nicht als Einzelkämpferin gezwungen ist, Patienten auf zwei Stationen gleichzeitig zu betreuen. Gesundheitsminister Hermann Gröhe will Krankenhäuser dazu verpflichten, zumindest in einigen Klinik-Bereichen für ausreichend Personal zu sorgen. Das käme nicht nur den Patienten zu Gute, sondern auch den Krankenschwestern und Pflegern, die immer häufiger am Limit arbeiten. Wir haben mit Andrea Weskamm, Referentin beim Deutschen Bundesverband für Pflegeberufe (DBfK), über Überstunden und Überforderung in der Krankenhaus-Pflege gesprochen.

Krankenschwester? Das ist eine überholte Berufsbezeichnung. Seit 2014 heißt es Gesundheits- und Krankenpfleger/in. Das ist moderner und hat nicht das "schwesterliche' beziehungsweise 'Dienende' im Namen. Das würde dem Beruf auch nicht mehr gerecht. Es ist ein moderner Dienstleistungsberuf mit einer hohen Verantwortung. Darauf weist Weskamm gleich zu Beginn hin.

"Mein Recht auf Frei" - so hieß eine Kampagne des DBfK im vergangenen Jahr. Ein Titel, der beinahe zynisch anmutet, wenn man einen Blick auf die Arbeitsbedingungen wirft, unter denen Gesundheits- und Krankenpfleger arbeiten müssen. Viele von ihnen sind überlastet und müssen zu viele Überstunden leisten. Denn die Personaldecke in den Kliniken ist dünn. Sehr dünn.

So dünn, dass zum Beispiel an der Berliner Charite nicht für mehr Geld gestreikt wurde, sondern für mehr Kolleginnen und Kollegen. Nach drei Jahren einigte man sich: Erstmals hat ein deutsches Krankenhaus in einem Tarifvertrag festgezurrt, wie viele Pflegerinnen und Pfleger mindestens in der Intensivpflege, der Kinderheilkunde und der stationären Erwachsenenpflege präsent sein müssen.

Das neue Gesetz, über das heute das Kabinett entscheidet, soll künftig alle Kliniken auf einheitliche Personal-Mindest-Standards verpflichten. Denn bisher entschied allein der Krankenhaus-Träger, wie viele Krankenpflegerinnen für wie viele Patienten zuständig sind, so Weskamm. In Deutschland seien das im Schnitt dreizehn Patienten – in Skandinavien vier bis sechs.

Keine Pause. Immer im Einsatz.

Aber nicht allein die Zahl der Patienten belaste die Krankenpflegerinnen: "Die Arbeit hat sich enorm verdichtet, allein schon, weil die Patienten heute viel früher wieder aus der Klinik entlassen werden und die Betten ständig neu belegt werden", so Weskamm. Hinzu komme, dass die Patienten immer häufiger sehr betagt sind. Ein Demenz-Kranker mit gebrochenem Bein müsse aber viel engmaschiger betreut werden als ein 20-Jähriger, der sich das Bein gebrochen hat. Doch für eine engmaschige Betreuung braucht es Personal. Wer jemals nachts in einem Krankenhaus lag, in dem eine einzige gestresste Schwester für die Menschen in der Station im ersten Stock und auch noch für die im zweiten Stock zuständig war, wird die Forderung nach mehr Personal sicherlich gerne unterschreiben.

Weskamm weiß aus einer Befragung, dass Pflegekräfte oft keine Zeit für eine Pause haben. Kurz durchschnaufen, einen Kaffee trinken, neue Kraft sammeln? Schwer möglich, wenn Herr Meier auf Zimmer 17 um Hilfe klingelt und sonst niemand da ist, der sich um ihn kümmern kann.

Dabei haben Krankenpflegerinnen nicht nur das tarifliche Recht auf Pausen, sondern diese auch sehr nötig in ihrem emotional und körperlich anstrengenden Beruf. Zumal auch die Regenerationsphasen zwischen den Diensten – sprich: die Zeit für Familie und Hobby – oft zu kurz kommen, wenn am freien Samstag das Telefon klingelt und die Klinik jemanden sucht, der spontan den Dienst von Schwester Astrid übernimmt. Eine derartige Anfrage abzulehnen, fällt wahrscheinlich extrem schwer: Ein Bericht kann auch noch am Montag geschrieben werden - ein krankes Kind jedoch braucht jetzt Pflege und kann nicht zwei Tage warten.
Fühlen Sie sich, während eines Krankenhausaufenthaltes, noch ausreichend betreut?

Teilzeitkräfte mit bis zu 200 Überstunden sind keine Ausnahme

In Krankenhäusern ist die "Personaldecke so knapp bemessen, dass es gar keinen Puffer gibt, um plötzliche Ausfälle ausgleichen zu können. Selbst wenn alle da sind, ist die Arbeit ja kaum noch zu schaffen", sagt die Referentin. Teilzeit-Kräfte, die 100 oder 200 Stunden Mehrarbeit angehäuft haben, sind keine Ausnahme.

Die Folge? Pflegekräfte kommen während der Arbeit an ihr Limit und in der Freizeit leiden Familie, soziale Kontakte und die Gesundheit. Manche wechseln den Beruf, manche reduzieren die Arbeitszeit - was die sowieso nicht üppige Rente weiter schmälert.​

Was soll das neue Gesetz bringen?

Das neue Gesetz will nun zumindest für einige Stationen und Bereiche (Intensivpflege, Nachtdienste) personelle Untergrenzen festschreiben. Dazu Gesundheitsminister Hermann Gröhe: "Eine gute Pflege und Versorgung im Krankenhaus kann nur mit einer angemessenen Personalausstattung gelingen. Mit verpflichtenden Pflegepersonaluntergrenzen in Krankenhausbereichen, in denen dies besonders notwendig ist, stärken wir die Patientensicherheit und verbessern zudem die Arbeitsbedingungen der Pflegekräfte."

Wichtig, damit Gesundheits- und Krankenpflegerin auch in Zukunft ein wundervoller Beruf bleibt, der sehr vielfältig ist, mit der Möglichkeit, sich zu spezialisieren und mit der Chance, überall auf der Welt zu arbeiten. Inzwischen bieten viele Hochschulen auch den Studiengang "Bachelor of Nursing" an – "dadurch haben Pflegekräfte unglaubliche Weiterentwicklungsmöglichkeiten", sagt Weskamm, "bis hin zur Professur ist alles möglich!" Und für die, die nicht gänzlich auf akademisches Terrain wechseln wollen, bleibt Pflegende – gerne auch hochspezialisiert mit Masterabschluss – ja immer noch ein Beruf mit viel Kontakt zu Menschen. Und hoffentlich bald auch mit mehr Zeit für diese!

Quelle: http://www.frauenzimmer.de/cms/alarmstufe-rot-in-der-pflege-viele-krankenschwestern-arbeiten-am-koerperlichen-und-emotionalen-limit-4109852.html